April 2025
Der April 2025 war kein gewöhnlicher Monat. Er war das Hochamt der Luftfahrt. Wer zwischen dem 9. und 12. April nicht in den Hallen der Messe Friedrichshafen unterwegs war, hat den Moment verpasst, in dem sich die General Aviation endgültig neu erfunden hat. Unter dem Motto Sustainable Aviation strömten tausende Piloten an den Bodensee, um die Weichen für ihre fliegerische Zukunft zu stellen.
Die AERO 2025: Eine Messe der Superlative
Mit 760 Ausstellern aus 38 Nationen war die 31. AERO die größte und internationalste aller Zeiten. Besonders beeindruckend war die Dichte an Weltpremieren. In der neuen e-flight-Halle A1 wurde deutlich: Das elektrische Fliegen ist den Kinderschuhen entwachsen. Die Pipistrel Velis Electro ist nicht mehr allein; Diamond Aircraft dominierte mit der eDA40 und zeigte, dass zertifiziertes elektrisches Training für Flugschulen ab 2025 zum Standard gehört.
Ein absoluter Publikumsmagnet war die e-Flight Airshow am Donnerstag. Wenn ein Dutzend Elektroflugzeuge nahezu lautlos über das Messegelände gleitet, ändert das die Wahrnehmung von Lärmemissionen grundlegend. Marken wie H55, die Technologie von Solar Impulse Mitbegründer André Borschberg nutzen, zeigten Antriebssysteme, die bald auch bestehende Flotten von Cessna oder Piper elektrifizieren könnten.
Die Turbine kommt ins UL: JMB und Bristell setzen Maßstäbe
In den Hallen B1 bis B3, dem Herzschlag der 600kg-Klasse, gab es eine technische Revolution zu bestaunen. Die französische Firma Turbotech präsentierte ihre regenerative Turbine TP-R90 in der JMB VL3 und der Bristell XL8. Ein Turboprop-Antrieb in einem Ultraleichtflugzeug! Das verspricht nicht nur vibrationsfreies Fliegen und Kerosin-Verbrennung (Jet-A1), sondern auch eine Leistungsklasse, die bisher nur der Business Aviation vorbehalten war.
Auch die Traditionsmarke Junkers begeisterte mit der A60, die Wellblech-Romantik mit modernster Sicherheitstechnik verbindet. Es ist diese Mischung aus Erbe und Innovation, die die AERO 2025 so einzigartig gemacht hat. Überall sah man Piloten, die probesitzen, Cockpits von Dynon SkyView HDX und Garmin G3X Touch verglichen und über Lieferzeiten für die neuesten Rotax 916 iS Motoren verhandelten.
Die Hardware-Schlacht am Messestand: Bose vs. Lightspeed
Keine AERO ohne den direkten Vergleich der Premium-Headsets. Am Stand von Bose war das A30 für ca. 1.440 Euro der unangefochtene Star. Die Piloten schätzten besonders die drei umschaltbaren ANR-Modi, die im direkten Vergleich zum legendären Vorgänger A20 nochmals feiner auf turbulente Cockpit-Umgebungen reagieren. Das Bose-Team betonte die TSO-Zertifizierung, was das Headset auch für Berufspiloten in der kommerziellen Luftfahrt zur ersten Wahl macht.
Nur wenige Hallen weiter konterte Lightspeed mit dem Delta Zulu für ca. 1.440 Euro. Hier war der integrierte Kanarienvogel – der CO-Sensor – das Gesprächsthema Nummer eins. In einer Zeit, in der Safety-First über allem steht, ist die Integration eines Warners vor Kohlenmonoxid direkt ins Headset ein unschlagbares Argument. Wer auf der Suche nach einer robusten Alternative war, griff am Stand von David Clark zum DC ONE-X, das als treuer Begleiter für Flugschüler weiterhin hoch im Kurs steht.
Avionik-Trends: Garmin und ForeFlight
In Halle A5 drehte sich alles um Bits und Bytes. Garmin präsentierte das neue GNC 215, einen kompakten Nav/Comm-Funk für den 2,25-Zoll-Schacht, der perfekt in modernisierte Panels passt. Gleichzeitig gab es am Stand von ForeFlight (Boeing) Live-Demos der neuen Augmented Reality Features für das iPad. Die Integration von Jeppesen-Karten und Echtzeit-Wetterdaten via ADS-B (uAvionix SkyEcho 2) ist mittlerweile so nahtlos, dass das klassische Papier-Kartenlesen fast vollständig aus den Messegesprächen verschwunden ist.
Die Welt neben der Messe: Auswintern und erster Check
Während die Augen auf Friedrichshafen gerichtet waren, herrschte auf den heimischen Flugplätzen Hochbetrieb. Jeder wollte pünktlich zum AERO-Wochenende sein Flugzeug bereit haben. Das Auswintern im April 2025 war geprägt von akribischen Triebwerkschecks. Nach der langen Standzeit wurde besonders auf Korrosion geachtet. Viele Piloten nutzten die Gelegenheit, ihre Flugzeuge mit Produkten von Aero-Sensation oder Liquid Elements für die Saison aufzuhübschen.
Das Wetter spielte im April 2025 das volle Programm ab. Wir hatten Tage mit sommerlichen Temperaturen am Bodensee, die plötzlich von kräftigen Schauern abgelöst wurden. Die Thermik war besonders aggressiv, was die Seitenwindlandungen in Friedrichshafen für viele zum inoffiziellen Checkflug der Saison machte. Wer mit der eigenen Maschine anreiste, musste zudem das PPR-Slot-System der Messe meistern – ein jährlicher Nervenkitzel für sich.
Fazit: Ein Monat wie ein Katapultstart
Der April 2025 hat die Messlatte für das restliche Jahr extrem hochgelegt. Die AERO hat uns gezeigt, dass die Luftfahrt trotz regulatorischer Hürden eine der innovativsten Branchen bleibt. Wir gehen mit einem Kopf voller Ideen, neuen Kontakten zu Herstellern wie Tecnam, Cirrus oder Blackwing und perfekt gewarteten Maschinen in den Mai. Der Sommer kann kommen, die GA-Community ist bereit!
Quellen und Background
Messe Friedrichshafen – Offizieller Abschlussbericht AERO 2025
EASA – Safety Workshop Protokolle von der AERO
AOPA Germany – Mitgliederbefragung zu Innovationstrends 2025
DWD – Analyse der Frühjahrsthermik am Bodensee
Marktbeobachtung – Verkaufszahlen Avionik und Zubehör bei Eisenschmidt
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